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Happy
Mardi Gras
03.03.2002 Schon
Tage, ja Wochen vor dem grossen Event erscheinen in den australischen Medien
Inserate oder Texte, die irgendwo den Lesern einen glücklichen Mardi Gras wünschen.
Autos wie Waschpulver werden unter demselben Motto geworben wie Männerkosmetika.
Ränkespiele hinter den organisatorischen Kulissen werden ebenso an die Öffentlichkeit
gebracht wie die diversen mehr oder weniger politischen Mottos und Statements.
Und die Tourismusindustrie freut es besonders, wenn neben all den Menschen aus
der Region Sydneys auch solche von den übrigen australischen Destinationen
und sogar von Übersee einfliegen.
Ein
Riesenevent also, auf das ein Grossteil Australiens erwartungsvoll hinschaut. Dem Mardi Gras gehen Filmfestivals und diverse kulturelle Anlässe voraus. Die schwulen Sportgruppen laden zu verschiedensten Aktivitäten ein. Bushwalks durch attraktive Nationalparks stehen beispielsweise fast täglich auf dem Programm. Und so geht das ein bis mehrere Wochen lang bis zum grossen Tag der „Parade“, einem festlichen Umzug, der am ersten Samstag im März stattfindet. Hunderttausende
von Zuschauern säumen ab ca. 8 Uhr abends die Strassen Sydneys, genauer von
der Oxford Street - Paddington bis zu den Fox Studios. Während rund 2 Stunden
ziehen Wagen und Gruppen mit politischen und vor allem unpolitischen
Auftritten und Themen vorbei, meist Discomusik zelebrierend.
Am Taylorsquare steigt in dieser Zeit ein Feuerwerk und unterstreicht
den festlichen Akt. Die meisten Zuschauer bleiben hinter den Schranken brav
zurück. Wenn nicht enorme Mengen von Bierflaschen herumlägen, würde man als
unbeteiligter Betrachter schon bald an den gesitteten Durchzug der Queen
denken können. Um
10 Uhr abends endet der Umzug schliesslich in den Fox Studios, einem grossen
Areal mit Hallen, Restaurants und anderer Infrastruktur. Hier geht die Post
ab, oder ging sie zumindest einmal vor wenigen Jahren. Ein horrender
Eintrittspreis und das riesige Aufgebot von Sicherheitsleuten sorgen nun für
eine brav-biedere Tanzatmosphäre. Die Tanzflächen sind ab Mitternacht
sowieso rammelvoll. Gerammelt wird da aber nicht (mehr): Heteropaare,
Homopaare und eine grosse anonyme Masse von Menschen sorgen für ein beinahe
asexuelles Verhalten. "Darkrooms" sind sowieso out, für einen
Schwatz geht man in eines der Restaurants auf dem Platz. Natürlich gibt es ab
und an auch Shows, meist Dragshows oder eingeflogene SängerInnen, aber der
Applaus der Massen nimmt selten enthusiastische Masse an.
Die Mardi Gras Zeit ist eine spezielle. Die Menschen hier sind eigentlich sehr stolz, dass so etwas bei ihnen abläuft und in der Welt draussen sogar zur Kenntnis genommen wird. Nicht nur schwul und lesbisch wünscht sich Tage zuvor und während der Mardi Gras Zeit „Happy Mardi Gras“. Ein
schwullesbisches Fest, das von der ganzen Gemeinschaft mitgetragen und
-gefeiert wird, das ist grossartig. Wegen dem Umzug allein nach Sydney zu
reisen, dürfte für Europäer wohl wenig erregend sein. Amsterdam bietet da
mit der Kanalparade viel buntere und ausgefallenere Ansichten und Erlebnisse.
Insgesamt gesehen ist die "Mardi Gras Zeit" aber bestimmt auch für
uns Europäer eine spannende und besuchenswerte. |
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